Page 18 - Taxikurier September 2021
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           UNTERHALTSAMES

            ➔ SCHROTTIS WELT










           Abgeblasen                        Behörden­Irrsinn                  Die Messstelle an der Landshuter Allee
                                                                               Richtung Arnulfstraße, zwischen Schlör-
           Noch Anfang Juli hatten Grüne und SPD    Was haben der Taxikurier und die restliche   und Hirschbergstraße gelegen, wurde prak-
           im Stadtrat den genialen Plan, in den Wo-  Weltpresse nicht schon alles über Behör-  tischerweise knapp neben eine Bushalte-
           chenendnächten die Ludwigstraße und den   denwillkür im Zusammenhang mit dem   stelle gesetzt, um auch noch die Abgase
             Anfang der Leopoldstraße durch Komplett-    Saukopf-Virus berichtet! Gerade die Bayeri-  vom dort wartenden und wieder anfahren-
           sperrungen zur Feiermeile umzufunktionie-  sche Staatsregierung unter der Führung   den Linienbus „mitnehmen” zu können.
           ren. Doch wenige Tage später kam das Aus   von Maggus I., der von seinem näheren   Und so werden die politisch gewünschten
           für diese Idee, war sie doch „aus straßen-  Umfeld häufig als Hypochonder beschrie-  (= zu hohen) Messwerte mühelos erreicht.
           verkehrsrechtlichen als auch aus Infek-  ben wird, nimmt hier eine Vorreiterrolle
           tionsschutzgründen nicht möglich”, wie   ein. In erratischer Hektik folgte eine   Aber sehr zum Schrecken unserer hauptbe-
           OB Reiter nach einer Prüfung durch die zu-    „Infektionsschutzverordnung” auf die an-  ruflichen Münchner Autohasser könnte sich
           ständigen Fachreferate der Stadt mitteilte.   dere, was zu solch seltsamen Blüten führte,   das bald ändern: die Ludwigsburger Firma
           Der Grünen-Vize Dominik Krause sah sich   dass Theater, Kinos, Konzerthäuser usw.   Mann + Hummel hat vor wenigen Jahren
             daraufhin zu Kritik am Koalitionspartner   zwischenzeitlich endlich wieder öffnen   Luftfiltersäulen entwickelt, welche in
           veranlasst (Münchner Merkur vom 6. Juli):   durften, aber z. B. „Voglers Jazzbar”     Ludwigsburg und Stuttgart – also im grün
           „Die SPD bringt einen Vorschlag, und ihr     (Rumfordstraße 17) weiterhin geschlossen   regierten Baden-Württemberg – bereits im
           eigener OB kassiert ihn wieder ein. Es wäre   bleiben musste, wie ihr Betreiber Thomas   Einsatz sind. Dort werden in der Umgebung
           sinniger, sich vorher mal abzustimmen”.    Vogler im MM-Interview vom 8. Juli be-  der Apparate Verringerungen von Stick-
           Da scheint es aber mit dem Kurzzeitge-  klagte. Aber zwei Wochen später kam die   stoffdioxid und Feinstaub um 9 – 19 Prozent
           dächtnis des Herrn Krause (31) nicht zum   Rettung der Bevölkerung vor ihrer eigenen   erreicht. Der Freistaat Bayern fördert nun-
           Besten zu stehen, wie der Schreiber (bei   Regierung durch den Bayerischen Verwal-  mehr ebenfalls dieses Projekt, welches von
           Erscheinen dieses TAXIKURIER schon dop-  tungsgerichtshof: nach dem Eilantrag einer   vier bayerischen Universitäten wissen-
           pelt so alt) befürchten muss: gerade Krause   unterfränkischen Wirtin kippten die Richter   schaftlich begleitet werden soll. Möglichst
           hatte diese Idee besonders befürwortet,   das Verbot der Öffnung reiner Schankwirt-  noch im Herbst 2021 soll an der Lands-
           wie im vorherigen Heft nachzulesen ist.   schaften (= ohne Speisenangebot) und   huter Allee probeweise eine solche Luft-
           Aber: „Was interessiert mich mein Ge-  stellten diese mit Restaurants gleich.   filtersäule aufgestellt werden. Man darf
           schwätz von gestern”, sagte angeblich     Maggus reagierte ob dieser Majestätsbelei-    gespannt sein.
           schon Konrad Adenauer, der bei seinem   digung gallig und ließ seine Herolde
           Rücktritt als Bundeskanzler (1963) immer-    verlauten, es werde keine totale Öffnung   Am Rande darf noch erwähnt werden, dass
           hin gesegnete 87 Jahre alt war. Bis zu die-  geben, sondern Zugangsgrenzen, Musik-   der Freistaat – also Maggus I. – erst vor
           ser Erkenntnis hat der oberschlaue Dominik   Regelungen und Sperrzeiten. Man werde     einigen Wochen eine gar selbstlose Ent-
           ja noch ein paar Jährchen Zeit.   den vom Gericht gelassenen Spielraum ein-  scheidung getroffen hat, wonach nämlich
                                             schränken. So läuft es im demokratischen   die Stadt München selbst für die Einhal-
                                             Rechtsstaat.                      tung der Grenzwerte verantwortlich sei.
                                                                               Vorher lag dies in der Kompetenz des Lan-
                                                                               des. Dabei hat die Stadt – im Gegensatz
                                             Feinstaubfresser                  zum Bundesland – nur höchst einge-
                                                                               schränkte rechtliche Möglichkeiten, weiter-
                                             Die Messstelle an der Landshuter Allee   gehende Maßnahmen zu beschließen.
                                             weist regelmäßig deutschlandweit die     Anfallende Strafzahlungen wegen Grenz-
                                             höchsten Werte an Stickstoffdioxid aus und   wertüberschreitungen darf somit zukünftig
                                             übertrifft dabei mit 54 Mikrogramm pro   die Stadt zahlen, während der Freistaat
                                               Kubikmeter im „Jahresmittelwert” die der-  fein raus ist. Man sieht also: Maggus kann
                                             einst für Außenluft willkürlich festgelegte   sogar Zuständigkeiten abgeben! Vor allem,
                                             Grenze von 40. Nur kurz zur Erinnerung   wenn sie unangenehm sind. Dafür gab er
                                             (Schrotti berichtete schon vor Äonen): am   aber das Ziel vor, die Bayerische Staats-
                                             Arbeitsplatz, also 40 Stunden pro Woche,   verwaltung solle bis 2030 klimaneutral
                                             sind 950 Mikrogramm pro Kubikmeter   werden. Blöd nur, dass sich auf Nachfrage
                                               erlaubt. Egal. Und stört offensichtlich   der FDP-Landtagsfraktion herausstellte,
                                               niemanden.                      dass es überhaupt keine Zahlen über die




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