Page 21 - Taxikurier November 2024
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So, hier endet nun der offizielle
             Schlussbericht über die Wiesn.
             Aber, halt, war da nicht doch noch was?
             Fehlt da nicht etwas im Bericht des
               Referates für Arbeit und Wirtschaft?

           Haben Clemens Baumgärtner und seine
           Leute nicht doch etwas Wichtiges verges-
           sen? Doch! Denn da waren noch über
           3.000 Münchner Taxis mit über 7.000 Ta-
           xifahrerinnen und Taxifahrern, die 16 Tage
           lang von früh bis spät die Gäste von und
           zur Theresienwiese hingefahren und wie-
           der weggekarrt haben!!! Die dann die
           Leidtragenden sind, wenn der Wiesnwirt
           sein Geschäft schon lange gemacht hat
           und der stockbesoffene Wiesn-Gast sich
           seiner Nahrung im Taxi wieder entledigt.
           Gewaltbereite betrunkene Halbstarke   Noch schlimmer ist, dass diese Posten fast   Taxi sehr gut. Diese zwei Wochen nutze ich
             greifen Taxifahrer an, andere schlafen    täglich mit wechselndem Personal besetzt   zum Urlaubmachen.“ Als damaliger Jung-
           im Taxi ein und sind nicht mehr zu we-  werden, das sich täglich anders verhält.   spund dachte ich mir, der ist doch verrückt,
           cken, wiederum andere haben kein Geld   Was am Montag noch erlaubt war, kostet   während der Wiesn sein Taxi nicht zu bewe-
           mehr oder wissen ihrer Adressen nicht   am Dienstag 55 Euro Bußgeld, und am   gen. Darauf erklärte er mir: „Wenn ich mein
           mehr.                             Mittwoch ist es wieder erlaubt.   Geschäft in 50 Wochen nicht ins Trockene
                                                                               bringe, da helfen mir die zwei Wochen
           Das Taxigewerbe ist ein Teil der Wiesn! Wie   Und währenddessen treiben an die 2.000   Wiesn-Wahnsinn auch nicht mehr.“ Mittler-
           dieser Abschlussbericht zeigt, kommen wir   Mietwagen, von denen mindestens die   weile kann ich jeden verstehen, der wäh-
           aber in den Köpfen der Verantwortlichen   Hälfte illegal arbeiten, ihr Unwesen in der   rend der Wiesn Urlaub in Italien macht.
           überhaupt nicht vor. Nicht an einer einzi-  Landeshauptstadt, entgegen Recht und   Denn dort ist viel Platz! (die dort Einheimi-
           gen Stelle kommt das Wort „Taxi“ in der     Gesetz, vorbei an der Steuer, von der lin-  schen sind ja zu dieser Zeit meistens in
             offiziellen Schlussberichterstattung zur   ken Hosentasche in die rechte, und keiner   München).
           Wiesn vor. Dies zeigt den Stellenwert, den   hat was gesehen. Grüße erreichen uns von
           wir genießen.                     den Kaimaninseln.                 Aber Spaß beiseite, was unsere Fahrerinnen
                                                                               und Fahrer tagaus tagein leisten, ist
           Anstatt der hell-elfenbein-farbenen Flotte   Der Kontrolldienst für den gewerblichen   Schwerstarbeit. Der verkehrliche Rückbau
           Flächen bereitzustellen, wo wir bereits bei   Kraftverkehr im KVR, der in unseren Augen   der Stadt mit den damit verbundenen Be-
           der Anfahrt die vielen fröhlichen Besucher   übrigens beste und effektivste Kontroll-  hinderungen und Verzögerungen macht das
           sicher und geordnet aussteigen lassen   dienst für Taxis und Mietwagen in ganz   Taxi immer weniger attraktiv, durch Umbau
           dürfen, werden störende Barrieren gebaut,   Deutschland, kann diesem Treiben nicht   und Rückbau verlieren wir Taxistandplätze,
           an denen uns die Polizei wegjagt und   Herr werden. Auch die Kräfte der Verkehrs-  das ist nicht nur Verkehrsgrund, das sind
           schikaniert. Doch den dort eingesetzten   überwachung der Münchner Polizei leisten   unsere Arbeitsplätze. Mit dieser Arbeit leis-
           Beamten dürfen wir das nicht persönlich   mustergültige Arbeit, sind aber angesichts   ten wir Daseinsvorsorge für die Bürgerin-
           übelnehmen, denn die sind meist aus   der Anzahl der illegalen Verkehre chancen-  nen und Bürger dieser Stadt, 24/7, immer,
           Hundertschaften, zum Teil noch in der   los.                        für jeden, zu fairen Preisen, die uns übri-
           Ausbildung und ohne viel praktische Er-                             gens der Stadtrat vorgibt, die wir nicht
           fahrung. Und trotzdem sind die jungen   Des Pudels Kern: Mit all diesen hier kriti-  selbst machen.
           Beamten  tierisch genervt, wenn der   sierten Punkten ist kein Geld zu verdienen.
           250. Taxler am Alten Messeplatz seine   Weder bei der Polizei noch bei der Stadt.   Liebe Landeshauptstadt München, liebe
           Gäste aussteigen lassen will, weil es eben   Und deshalb interessiert es – fast – keinen.     Referate, wenn der Wirtschaftsreferent in
           von Westen kommend schlichtweg keine   Doch die Hoffnung stirbt zuletzt. Wir ha-  seinem Wiesn-Rückblick die Taxler komplett
           anderen Ausstiegszonen gibt,  und der   ben, wie jedes Jahr, unsere Rückmeldung   vergisst, ist das traurig, aber wir haben
           junge Gendarm hat nun mal den Auftrag   mit den Erkenntnissen über den Wiesn-Ver-  Verständnis, denn die zehn Adele-Konzerte
           von seinem Gruppen- oder Zugführer, den   kehr 2024 zeitnah verfasst und an das MOR   nach München zu holen war eine Menge
           Taxler wegzuschicken.             gesendet. Nun warten wir auf die Wiesn     Arbeit, und bleibt ein Randgewerbe wie das
                                             2025, um zu sehen, was davon ankommt   Taxi schon mal im Schatten stehen. Kann
           Das Bild, das die Stadt und die Polizei ge-  und verbessert werden könnte.  passieren, sollte aber nicht. Drum unsere
           genüber denjenigen Festgästen abgeben,                              Bitte: Vergesst das Taxigewerbe nicht, die
           die im Taxi sitzen und dann von einem Eck   Ein leider bereits verstorbener Kollege hat-  Bürgerschaft dieser Stadt wird es danken!
           zum anderen verscheucht werden, ist fatal.   te mir vor über 30 Jahre eine Rechnung
           Weit weg von der freundlichen und friedli-  präsentiert: „Mein Jahr hat 52 Wochen,   Mit kollegialen Grüßen
           chen Wiesn.                       und 50 Wochen davon lebe ich mit meinem   Thomas Kroker




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