Page 5 - Taxikurier März 2025
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DER AUFSICHTSRAT BERICHTET
DIE AKTUELLE LAGE UND DER BLICK IN DIE ZUKUNFT
Die schwierige Realität unserer Unternehmerinnen
und Unternehmer
Es ist bedauerlich, dass viele unserer Unternehmerinnen, Unter-
nehmer sowie Fahrerinnen und Fahrer inzwischen gezwungen
sind, auf zusätzliche weitere Vermittlungsplattformen zurück-
zugreifen, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Vor allem in
der Nacht, wenn die Auftragslage besonders schwach ist, bleibt
vielen keine andere Wahl, als sich alternativen Einnahmequellen
zuzuwenden. Dies geschieht nicht, weil unsere Genossen keine
Loyalität zur Genossenschaft haben, sondern weil sie schlicht und
einfach keine andere Möglichkeit haben, ihre Kosten zu decken.
Wer ausschließlich auf unsere Genossenschaft angewiesen ist,
Liebe Genossinnen und Genossen, gerät zunehmend in finanzielle Schwierigkeiten. Dies ist eine
bittere Realität, die uns allen bewusst sein sollte.
die vergangenen Monate haben uns erneut vor Augen geführt,
dass sich unsere Branche und insbesondere unsere Genossenschaft Ein Appell an die Gemeinschaft
in einer schwierigen Phase befinden. Die aktuelle Auftragslage
bleibt angespannt, und es zeigt sich, dass die Konkurrenz in Trotz aller Schwierigkeiten möchte ich an dieser Stelle betonen,
München weiterhin wächst. Verschiedene Vermittlungsplattformen dass unsere Genossenschaft nur dann eine erfolgreiche Zukunft
gewinnen immer mehr Marktanteile, während unsere Genossen- hat, wenn wir gemeinsam an einem Strang ziehen. Wir müssen
schaft mit rückläufigen Zahlen und einer stagnierenden Entwick- offen für Veränderungen sein und bereit, den notwendigen Wan-
lung zu kämpfen hat. del einzuleiten. Gleichzeitig bitte ich alle Genossinnen und Ge-
nossen um Verständnis für diejenigen, die aufgrund der aktuellen
Diese Entwicklung zwingt uns dazu, einen ehrlichen Blick auf Situation gezwungen sind, auf andere Plattformen auszuweichen.
die derzeitige Situation zu werfen. Es ist kein Geheimnis, dass Es liegt an uns allen, die Zukunft unserer Genossenschaft aktiv
alle Gremien, einschließlich der Verwaltung unserer Genossen- mitzugestalten. Lassen Sie uns gemeinsam Lösungen finden, um
schaft, im letzten Jahrzehnt nicht ausreichend auf die sich die Genossenschaft wieder zu einem starken Partner für alle Taxi-
verändernden Marktbedingungen reagiert haben. Es fehlen klare unternehmer und Fahrerinnen und Fahrer in München zu machen.
Konzepte, um mit der Konkurrenz mitzuhalten und den ange-
schlossenen Taxiunternehmern sowie Fahrerinnen und Fahrern Abschließend möchte ich auf ein tragisches Ereignis hinwei-
eine langfristige Perspektive zu bieten. Zudem ist zu beobachten, sen, das unsere Stadt erschüttert hat. Am 13. Februar 2025
dass es in der Verwaltung unserer Genossenschaft vereinzelt kam es in der Nähe des Stiglmaierplatz-Taxistands zu einem
Herausforderungen gibt, die auf Verbesserungspotenziale in der schrecklichen Vorfall. Ein 24-jähriger Fahrer fuhr in eine
internen Zusammenarbeit und Kommunikation hinweisen. friedlich demonstrierende Menschenmenge, wodurch mehrere
Personen, darunter auch ein Kleinkind, sehr schwer verletzt
Darüber hinaus gibt es alarmierende Entwicklungen, wie die wurden. Unsere Gedanken sind bei den Verletzten und ihren
deutliche Reduzierung von SEV-Aufträgen (Schienenersatz- Familien. Wir wünschen allen Betroffenen eine schnelle und
verkehr), die sich inzwischen mehr als halbiert haben. Auch vollständige Genesung und hoffen, dass sich solche schreck-
im Bereich der Krankenfahrten zeigt sich, dass Anbieter wie lichen Ereignisse nicht wiederholen.
FreeNow, Uber und andere Plattformen zunehmend versuchen,
sich in diesem Geschäftsfeld zu etablieren. Dieser Rückgang und
der wachsende Einfluss der Konkurrenz in München sind auch Herzliche Grüße
das Ergebnis fehlender Gegenmaßnahmen, um unsere Position Sezai Curuk
in diesen Bereichen zu sichern. Gleichzeitig stehen wir als (Aufsichtsratsvorsitzender)
Genossenschaft nicht nur vor der Herausforderung, uns gegen
die wachsende Konkurrenz zu behaupten, sondern auch vor der
dringenden Aufgabe, intern eine Wende einzuleiten. Eine Wende,
die sowohl unsere Verwaltung als auch unsere Führung betrifft. Unser Aufsichtsratsmitglied, Frau Ingrid Mellert, hat folgende
Die Welt des Taxigewerbes ist längst im Wandel, und wir können per sönliche Ergänzung hierzu: „Ich distanziere mich von diesem
es uns nicht leisten, stehen zu bleiben. Neue Ideen, Innovatio- Bericht, weil mehrere angesprochene Punkte nicht den Tatsachen
nen und eine stärkere Zusammenarbeit zwischen allen Genossen entsprechen und die angedeutete Wende im Aufsichtsrat weder
sind gefragt, um in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben. diskutiert noch beschlossen wurde“.
MÄRZ 2025 ⁄ TAXIKURIER ⁄ 5