Page 6 - Taxikurier März 2025
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BEITRAG VON MAX WEILAND
➔ STELLUNGNAHME
Sehr geehrte Damen und Herren, Die Taxi-München eG hat im Rahmen ihrer regionalen Möglich-
keiten stets mit viel Einsatz, Engagement und auch finanziel-
als Mitglied des Aufsichtsrates, erlaube ich mir eine Stellung- len Mitteln versucht, die Entwicklungen zu verzögern und zu
nahme zu dem Bericht des Aufsichtsrates in der März-Ausgabe Gunsten der Mitglieder zu beeinflussen. aber aufzuhalten oder
2025 des Taxikuriers. Im Beitrag in dieser Ausgabe nimmt der zu verhindern waren diese leider nur bedingt. Einer kommuna-
Vorsitzende des Aufsichtsrates persönlich äußerst kritisch len Taxizentrale, die nur über begrenzte Möglichkeiten verfügt,
Stellung zu der aktuellen Situation der Taxi-München eG. Ich kann weltweit agierende Vermittlungsplattformen wie UBER
wende mich mit diesem Leserbrief an die Mitglieder der Taxi- und Co nicht vernichten.
München eG, weil ich der Meinung bin, dass in dem Beitrag
mehrere Punkte nicht sachlich angesprochen werden. Letztendlich entscheidet der Kunde, welchen Dienstleister er
wählt. Für eine Taxizentrale muss vor allem die gute Qualität
In einer schnelllebigen Zeit ändern sich die Herausforderun- der Dienstleistung im Vordergrund stehen. Seit dem Wegfall
gen fortlaufend. Was man vor 10 Jahren für wichtig und der Ortskundeprüfung im Personenbeförderungsgesetz seit
richtig erachtete, wird heute aus einem anderen Blickwinkel 1. August 2021 sollte diese durch die kleine Fachkundeprüfung
gesehen. Die Rahmenbedingungen ändern sich fortlaufend. ersetzt werden, was aber bis heute nicht erfolgt ist. Dieses
Entscheidungen, die vor 10 oder 15 Jahren fielen, wurden Scheitern ist in vollem Umfang der Politik anzukreiden, da
stets unter Beachtung der Satzung und der Gesetze von den Bundesverbände und Landesverbände aus ganz Deutschland
damaligen Vorständen und Aufsichtsräten beraten und demo- immer wieder darauf hingewiesen haben. Es wurden sogar Vor-
kratisch getroffen. Die im Jahr 2024 oder 2025 getroffenen schläge, wie eine solche Fachkundeprüfung aussehen könnte,
Entscheidungen wird man mit großer Wahrscheinlichkeit in vorgelegt. Die Dienstleistungsbereitschaft und Qualität des
10 Jahren ebenfalls ganz anders bewerten. Fahrpersonals wurde durch dieses Nichthandeln der Politik dra-
matisch verschlechtert. Ich erinnere an einen Satz unseres
Als myTaxi im Jahr 2009 mit der Vermittlung begann, wurden langjährigen Vorstandes und Ehrenvorsitzenden der Taxi-Mün-
Aufträge zum Vermittlungspreis von 1,00 Euro berechnet. chen eG Hans Meissner: „Wer eine Dienstleistung anbietet,
Das führte dazu, dass viele Kolleginnen und Kollegen dieses muss preiswürdig sein!“ In diesem Satz ist eigentlich alles
System nutzten und dadurch diese Plattform erst groß werden drin. Die Frage ist: „Sind wir das noch?“ Das sollte aber jeder
konnte. Zur gleichen Zeit ging auch die erste Bestell-App der für sich selbst entscheiden.
Taxi-München eG in Betrieb, damals als „Taxi-München-App“
bezeichnet, die später in die Taxi-Deutschland-App einfloss. Und hier hat unsere Genossenschaft nicht geschlafen, sondern
eine Vorreiter-Rolle eingenommen. Während die Politik die klei-
Die Verbreitung der myTaxi bzw. späteren FREEnow-App hatte ne Fachkunde bis heute nicht zustande gebracht hat, sichert
vor allem dadurch Erfolg, weil die Telekom an diesem Start-Up das Gewerbe in München selbst die Qualität durch Kurse und
beteiligt war und die App bei hunderttausenden Smartphones Schulungen.
bereits vorinstalliert war, während die Taxi-Deutschland-App
von jedem Kunden erstmal heruntergeladen werden musste. Der Aber genau hier dreht sich nun das Rad: Während Kunden sich
Etat der Vermittlungsplattformen für Marketing/Werbung be- dem Taxigewerbe mangels dieser Qualität abwenden, und die
wegt sich in ganz anderen Dimensionen als das Werbe-Budget Verbesserung der Dienstleistung erforderlich ist, fordern Mehr-
aller Taxizentralen in Deutschland zusammen. Es könnten hier wagen-Unternehmer, die internen Hürden noch weiter abzubau-
noch viele Beispiele angeführt werden, aber letztendlich haben en und neue Fahrer ohne Kenntnisse und ohne Leistungsnach-
die Auswirkungen der Globalisierung und der Digitalisierung weise auf die Fahrgäste loszulassen.
weltweit zu grundsätzlichen Veränderungen bei den Taxizentra-
len geführt und die Mobilität neu definiert. Die Rolle der Taxi- Die Hauptsache ist nur, die eingesetzten Taxis mit Fahrperso-
zentralen ist inzwischen eine völlig andere. nal, egal welcher Qualifikation, zu besetzen. Aufträge werden
von allen Anbietern angenommen. Es gibt keine Ethik und der
Zu der Thematik SEV-Aufträge möchte ich folgendes anmerken: genossenschaftliche Gedanke kommt hier nicht mehr vor. Hier-
Ein örtlicher Taxiunternehmer im Landkreis Dachau hat eine für kann man bis zu einem gewissen Grad sogar Verständnis
Art Eigenvermittlungssystem gestartet und die Deutsche Bahn haben. Es ist zum einen die unternehmerische Freiheit und zum
greift auf dieses „Angebot“ zurück. Nachdem die Deutsche anderen der wirtschaftliche Druck, der die Taxiunternehmen
Bahn sich in diesem Segment nicht vertraglich binden will, dazu bewegt, Forderungen nach einem noch einfacheren Zu-
konnten auch keine Verträge mit der Bahn und der Taxi-Mün- gang ins Gewerbe zu stellen. Doch es ist meiner Meinung nach
chen eG, in diesem Bereich abgeschlossen werden. der falsche Weg.
6 ⁄ TAXIKURIER ⁄ MÄRZ 2025