Page 24 - Taxikurier März 2025
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reich verbündet, dessen Truppen in Bayern fasst und danach computergesteuert aus
und auch in München standen. Diese Ver- einem Aluminiumblock gefräst. Seitdem
bindung wollte die europäische Vormacht glänzt die Skulptur unübersehbar gegen-
Frankreich nicht dulden und drohte, nach über dem ehemaligen Palais Montgelas an
Bayern einzufallen, wodurch Bayern zum der Ecke zur Kardinal-Faulhaber-Straße,
Aufmarschgebiet geworden wäre. In dieser das sich der Staatsmann 1811 erbauen ließ
Situation schloss sich Bayern dem Stärke- und das heute zum Hotel Bayerischer Hof
ren, nämlich Frankreich, an und besiegelte gehört.
dies nach langen Verhandlungen am
25. August 1805 im Vertrag von Bogen-
hausen. Nachdem Österreich zunächst Denkmalschutz
davon nichts wissen durfte, war es ein
Geheimvertrag, von bayerischer Seite Heute ist das Gebiet des ehemaligen Dorfes
unterzeichnet von Montgelas in seinem Bogenhausen dicht bebaut mit einer Viel-
kleinen Schloss Stepperg. Im groben Über- zahl denkmalgeschützter Gebäude. Aus der
blick beinhaltete das Abkommen folgendes: Zeit vor der Eingemeindung am 1. Januar
Bayern wurde darin zum Königreich erho- 1892 haben sich lediglich einige geschütz-
ben, wirksam ab dem 1. Januar 1806. te Häuser erhalten, beispielsweise die da-
mals noch einzeln stehenden Häuser an der
Die von Bayern besetzten Gebiete in 1898) zu einer weitum anerkannten wis- Ismaninger Straße 56, 58/60 sowie die
Schwaben, Ober-, Mittel- und Unterfranken senschaftlichen Einrichtung. Ihr ländlicher Gaststätte Bogenhauser Hof mit der Num-
wurden von Frankreich anerkannt und Standort selbst abseits des Dorfes ergab mer 85. Um die Kirche herum ist der Fried-
brachten dem neuen Königreich einen sat- sich aus der extremen Luftverschmutzung hof geschützt: „Bogenhauser Kirchplatz,
ten Gewinn an Territorium von sage und in den damaligen Städten, auch Münchens. Friedhof, Ringsum von Mauer begrenzter
schreibe 144 Prozent sowie einen Zuwachs Im Untergeschoss entstand 1840 ein Ob- Friedhof (noch benützt), mit zahlreichen
an Bevölkerung von 142 Prozent. Als Ge- servatorium für die Messung von elektri- künstlerisch und historisch bemerkenswer-
genleistung musste Bayern seine Truppen schen Strömungen sowie später ein Erd- ten Gräbern.“ Über die Kirche heißt es:
im Bündnisfall dem französischen Oberbe- beben-Observatorium. Zur Wende in das „Bogenhauser Kirchplatz 1, ehemalige ka-
fehl unterstellen, denn Napoleon plante 20. Jahrhundert beeinträchtigten die zu- tholische Pfarrkirche Sankt Georg, 1766 bis
Großes, beispielsweise die Unterwerfung nehmende Bebauung der Bogenhauser 1771, aus dem weiteren Umkreis Johann
Großbritanniens und Russlands. Dies führte Flur, die damit zusammenhängende Licht- Michael Fischers, mit spätgotischem Chor
dann unter anderem dazu, dass 1812 das verschmutzung der modernen Zeit und der und hohem Turm, mit Ausstattung.“ Für
nunmehrige Königreich Bayern für Napo- zunehmende Autoverkehr der geldigen seine Verdienste erhielt Fischer (1692–
leons Einmarsch in Russland 33.000 Solda- Nachbarschaft mit seinen Erschütterungen 1766) im Jahr 1992 den Johann-Michael-
ten stellen musste, von denen sage und und Abgasen die Arbeiten immer stärker. Fischer-Platz in Berg am Laim. Zum Pfarr-
schreibe lediglich 3.000 zurückkehrten, Die neu bebauten Straßen der Gegend haus an der Neuberghauser Straße 9 heißt
und die meisten dabei in erbärmlichem Zu- erhielten Namen nach bedeutenden Wis- es: „Pfarrhaus der katholischen Gemeinde
stand. Der Obelisk am Karolinenplatz erin- senschaftlern. Die Sternwarte steht in Sankt Georg, barocker Satteldachbau, be-
nert daran, und zwar mit der propagandis- der Denkmalschutzliste verzeichnet mit: zeichnet 1705, im Garten am Hang westlich
tischen Lüge: „Den Dreyssigtausend Bayern „Scheinerstraße 1, Universitäts-Sternwarte, der Kirche.“ Darunter liegt an der Montge-
die im russischen Kriege den Tod fanden. Altbau klassizistisch, 1817. In der Süd- lasstraße 6 das „Wohnhaus mit Laden,
Auch sie starben für des Vaterlandes Be- westecke des Gartengeländes einzeln ste- zweigeschossiger traufständiger Satteldach-
freyung“, so als sei die russische Armee in hende dorische Säule.“ bau, von F. Karg, 1873.“, wie es in der
Bayern eingefallen und nicht anders her- Fachsprache heißt. Im nördlichen Gemein-
um. Zum 1. Juli 1897 bekam die Auffahrt degebiet steht etwas versteckt an der
den Namen Montgelasstraße mit der Erklä- Erinnerung Odinstraße 41 das „Odinsdenkmal, Steiner-
rung: „Maximilian Joseph Graf von Montge- nes Götterstandbild auf Sockel über auf-
las, Königlich Bayerischer Staatsminister, Nicht an die Eingemeindung von Bogen- getürmten Felsbrocken, um 1874.“ Nicht
geboren 12. September 1759, gestorben hausen am 1. Januar 1892, sondern an weit davon erhebt sich an der Odinstra-
13. Juni 1838.“ Maximilian von Montgelas erinnert heute ße 29 das „Höchl-Schlössl, Klassizistischer
an der Montgelasstraße/Ecke Törringstraße Schlossbau, Mittelrisalit mit Dreiecksgiebel
eine Tafel, die gleichzeitig an Friedrich von und niedrigeren Seitenflügeln, Dachreiter,
Besonderheit: Sternwarte Sckell gedenkt. Man liest dort: „Den Gestal- 1. Hälfte/Mitte 19. Jahrhundert; mit Im-
tern des neuen Bayern und der Stadt Mün- maculatafigur und Relief.“ Nach dem
Im 1826 ließ König Ludwig I. die Universi- chen zum Gedenken. Hier am Edelsitz Münchner Stadtbaumeister Joseph H.
tät von Landshut nach München verlegen. Stepperg zu Bogenhausen haben sie (1777–1838) ist seit 1896 die Höchlstraße
Im Vorfeld dazu nahm die „Königliche Staatskunst und Gartenkunst glücklich ver- in Alt-Bogenhausen benannt. Und dann
Sternwarte zu Bogenhausen“ 1816 ihren eint.“ Und auf dem Promenadeplatz steht noch an der Oberföhringer Straße 37 der
Betrieb auf (Sternwartstraße von 1901) eine sechs Meter hohe und neuneinhalb Kilometerstein in Säulenform aus dem
und entwickelte sich seit 1835 unter ihrem Tonnen schwere Skulptur der Berliner Bild- 19. Jahrhundert. Jetzt wussten die Fuhr-
schottisch-stämmigen Direktor John hauerin Karin Sander. Darstellungen des leute, dass sie es bis Oberföhring nicht
Lamont (1805–1879, Lamontstraße von Grafen Montgelas wurden dafür digital er- mehr weit hatten.
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