Page 18 - Taxikurier März 2025
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UNTERHALTSAMES
➔ SCHROTTIS WELT
Von Michael Schrottenloher
ALTER ... vielleicht mal ein bisserl „Blech“ nichts ver- Und der berüchtigte „Radentscheid“ von
ursacht haben, um uns dann kurz vor der 2019 (siehe auch TAXIKURIER, November
... schützt vor Torheit nicht, wusste Zielgeraden noch einen Schwerverletzten 2024) trägt ein Übriges zur konsequenten
schon Willi Schüttelbier, der als William oder gar Toten aufs Gewissen zu laden. Parkplatzvernichtung in München bei. So
Shakespeare (1564–1616) in seinem können wir seit wenigen Monaten in der
Drama „Antonius und Cleopatra“ der Letzt- Zeppelinstraße einen 4,60 Meter breiten
genannten die Worte in den Mund schrieb: CARSHARING Radweg bewundern, für den 90 Parkplätze
„Wenn mich das Alter auch nicht schützt und 1,7 Millionen Euro unserer Steuergel-
vor Torheit, doch wohl vor Kindischsein“. Ein Auto zu teilen ist nicht nur auf dem der vernichtet wurden. 2019 fielen in der
Also eigentlich hat er’s ja auf Englisch Schrottplatz sinnvoll (obwohl Autos dort Fraunhoferstraße 120 Plätze weg, später
geschrieben, aber die Übersetzung wird manchmal auch komprimiert werden), son- 90 in der Rheinstraße. In der Boschets-
schon stimmen. „Torheit“ hat übrigens dern ebenso in großen Städten mit einem rieder Straße werden es 160 von 269 sein,
nichts mit Fußball zu tun, obwohl auch eklatanten Mangel an Parkplätzen. Wir mo- entlang der Lindwurmstraße 160, die
mancher Balltreter vor Torheiten aller dernen Taxler wissen das schon lange und Schwanthalerstraße zwischen Sonnen- und
Art nicht gefeit ist und manch betagter betreiben deshalb „Carsharing mit Chauf- Paul-Heyse-Straße wird zwei Fahrspuren
Autofahrer erst recht nicht. feur“ bereits seit der Erfindung des Auto- und 90 Parkplätze verlieren, und auch in
mobils. Doch während Taxistandplätze im- der Altstadt kommen immer mehr Park-
Kurzum, das Statistische Bundesamt teilte mer öfter verkleinert oder ganz abgeschafft plätze unter die Räder.
kürzlich mit (Merkur vom 27.11.24), dass werden, hat die Stadt München bis Ende
ältere Verkehrsteilnehmer vergleichsweise letzten Jahres schon 442 Stellplätze für Obwohl das jetzt sprachlich eher ein
selten in Unfälle mit Personenschaden ver- solche Carsharing-Autos geschaffen, 80 verunglücktes Bild ist. Wurscht!
wickelt sind. Das lässt sich freilich schon weitere waren in Umsetzung, und bis 2026
zwanglos damit erklären, dass die Alten soll es bis zu 1.600 Stellplätze für die Wer jedenfalls beruflich oder aufgrund Al-
üblicherweise wesentlich seltener und dann Autos der Firmen Miles, Share Now, Sixt ters und ⁄ oder Krankheit auf das Auto ange-
auch weniger Kilometer fahren als die Jun- Share und Co. geben. wiesen ist, wird absehbar in diese schöne,
gen. Sind sie aber dann doch mal daran neue und „woke“ Welt der glücklichen Latz-
beteiligt, dann trifft die über 65-Jährigen Dumm ist dabei nur, dass laut einem Be- hosenträger und Lastenradfahrer nicht
in 68 Prozent aller Fälle die Hauptschuld, richt im Münchner Merkur vom 25.11.2024 mehr reinpassen und darf sich gefälligst an
bei den 75-Jährigen und Älteren sind gar ein Großteil dieser reservierten Parkplätze den Stadtrand verziehen, der dank der
drei Viertel die Hauptschuldigen. kaum benötigt wird und sie deshalb meis- grünroten Stadtratsmehrheit mit „städte-
tens leer stehen, außer, ein verzweifelter baulichen Entwicklungsmaßnahmen“ (SEM)
Also bitte, Leute, kontrolliert Euch selbst Anwohner stellt seinen Privatwagen dort bei Feldmoching und Daglfing auf insge-
(wenn’s sonst keiner tut) streng darauf, ob ab und wird anschließend mit 55 Euro be- samt rund 1.500 Hektar mit neuen Schlaf-
Ihr geistig und körperlich wirklich noch fit lohnt. So, wie es laut Anwohnern z.B. stän- städten zugepflastert werden soll.
genug zum Autofahren seid. Und das gilt dig Hohenzollern- ⁄ Hiltenspergerstraße bei
selbstverständlich ebenso für den Schrei- den dort vorgehaltenen zehn Carsharing- Dafür werden z.B. mit dem altbekannten
ber, der mit seinen 65 Jahren auch schon Stellplätzen der Fall sein soll. „Elementum“ (Bayer – Paul-Heyse), wel-
zur genannten Statistik zählt und sich ches übrigens nach dem soundsovielten
selbst tatsächlich scharf und kritisch beob- Nach dem Umbau des Truderinger Ortskerns Eigentümerwechsel zur Zeit „The Verse“
achtet. Haben wir jederzeit die volle Pei- wurden von den BA-Grünen auch dort in heißt, 70.000 Quadratmeter Innenfläche
lung, was rechts und links, vor und hinter vorauseilendem Gehorsam Stellplätze für nur für Büros, Gastro und Läden geschaffen
uns los ist? Gibt es plötzlich Fälle, in de- die teilbaren Gemeinschaftsautos „mühsam und mit dem Neubau an der Goethestraße 11
nen uns andere Verkehrsteilnehmer mit der erkämpft“, während aber die vorgenannten („The Stack“) immerhin noch 17.000 m²,
Hupe auf die Sprünge helfen müssen, weil großen Carsharing-Firmen ihre Autos hier, aber jeweils kein einziger Quadratmeter für
wir am Steuer träumen? Sind die Äuglein wie auch in anderen Stadtrandgebieten, gar Wohnzwecke. Kein einziger!
noch gut oder sind wir längst im Blindflug nicht anbieten. Völlig sinnlos also. Genau-
unterwegs? so gut könnte man die dringend benötig-
ten Parkplätze im Truderinger Ortskern EINSPARUNGEN
Das muss doch unsere schlimmste Vorstel- auch für James T. Kirks Raumschiff Enter-
lung sein, dass wir ein Leben lang mehr oder prise oder Jules Vernes U-Boot Nautilus Die Radl-Tiefgarage unterm HBF für 4.000
weniger ordentlich gefahren sind und außer reservieren! Fahrräder bei veranschlagten 45 Millionen
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